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Gilbert Holzgang
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Hermann Löns trinkt Wiener Blut
Originalbeitrag von Gilbert Holzgang für den Band "Eine Braunschweigische Dramaturgie. Stücke für diese Stadt", herausgegeben von Wolfgang Gropper und Peter Schanz, Braunschweig 2007.

Ein Ausschnitt:
Stauf von der March hat die Begegnung zwischen ihm und Löns, dem bewunderten Freund und Gesinnungsgenossen, 1924 nacherzählt. In nicht minder großer Bewunderung für Löns wurde dieses Manuskript 2004 von Harald Cajka, dem Zweiten Vorsitzenden des "Verbandes der Hermann-Löns-Kreise in Deutschland und Österreich e.V." veröffentlicht. Cajka informiert die Leserinnen und Leser des Büchleins "Löns auf der Flucht" aber nicht über die völkischen, rassistischen und antisemitischen Ansichten Staufs, die vor allem in seiner Zeitschrift "Der Scherer" in erschreckender Weise deutlich wurden. Und Löns' Einverständnis mit Stauf, das man nicht anders als präfaschistisch bezeichnen kann, wird nicht als solches gekennzeichnet.

Hans Schönecke aber, der Vorsitzende des Arbeitskreises der Hermann-Löns-Freunde im Landkreis Gifhorn schreibt ganz lapidar in seinem Büchlein "... nur ödet mich das miese Wetter", das 2005 erschien: "Löns eine Vorreiterrolle für die Nationalsozialistische Diktatur anzulasten, ist absurd, da er bereits 1914 stirbt." So einfach macht es sich die Löns-Gemeinde von heute. Sie begeht auch am 26.9.2007 noch eine feierliche Gedenkstunde mit Bruchniederlegung am "Hermann-Löns-Grab", obwohl unter dem Walsroder Findling mit der Wolfsangel nachgewiesenermaßen nicht Löns' sterbliche Überreste liegen, sondern die irgendeines unbekannten Soldaten - und eine Urkunde des Führers, den Löns nur herbeiwünschte, aber nicht kennenlernte. Wie schrieb er doch seinem Wiener Freund? "Schade, daß ich nicht in Wien bleiben konnte."



Otto Ralfs und seine Kontrahenten. Antagonistische Projekte einer Galerie für zeitgenössische Kunst in Braunschweig
Originalbeitrag von Gilbert Holzgang für den Band Die Städtische Gemäldegalerie in Braunschweig. Ein Beispiel bürgerlicher Sammelkultur vom 19. Jahrhundert bis heute. Herausgeber: Stadt Braunschweig. Braunschweig 2010.

Der fünfzig Seiten umfassende Beitrag informiert anhand zahlreicher Originaltexte, Fotos und Architekturpläne über die Bestrebungen, in Braunschweig für die zeitgenössische Kunst Wechselausstellungen zu veranstalten und ständige Ausstellungsräume einzurichten.

Der Verein Lessingbund, der Wirtschaftliche Verband bildender Künstler und der Künstlerbund Niedersachsen förderten in erster Linie Künstler der Region. Otto Ralfs hingegen gelang es in den Jahren 1924 bis 1933, mit fünfzig von ihm und der Gesellschaft der Freunde junger Kunst im Residenzschloss veranstalteten Ausstellungen die Stadt Braunschweig als Zentrum der internationalen Moderne überregional bekannt zu machen. Der Aufsatz berichtet umfassend vom Wettlauf dieser antagonistischen Bemühungen bis 1933. Er informiert darüber hinaus über die Galerie Otto Ralfs nach dem Zweiten Weltkrieg und über das Schicksal der Privatsammlung, die der große Braunschweiger Kunstförderer zusammen mit seiner Frau Käte Ralfs aufbaute.

Der Aufsatz wurde von Karin Bürkert, Göttingen, nach der Besprechung anderer Beiträge folgendermaßen rezensiert:

»Einen tieferen Blick auf die Sammel- und Ausstellungstätigkeiten als Interaktionen im bürgerlichen Milieu und deren Auswirkungen auf die städtische kulturelle Institutionenlandschaft sowie auf das gesellschaftliche Kunstverständnis wirft der Regisseur und Dramaturg Gilbert Holzgang. Seine mikroperspektivisch angelegte Studie ist einem besonders wirkungsreichen Akteur innerhalb der Braunschweiger Kunstszene des beginnenden 20. Jahrhunderts gewidmet. Das Kapitel ,Otto Ralfs und seine Kontrahenten' (225) beschreibt die Bestrebungen Ralfs, in Braunschweig einen permanenten Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst zu errichten. Das Kapitel gibt nicht nur Aufschluss über die sozialen und finanziellen Wirkungsmechanismen, die innerhalb des Netzwerks bürgerlicher Mäzene und Künstler strukturbildend waren, sondern auch über die politischen und moralisch-ethischen Determinanten einer Gesellschaft, die über die Förderung oder Ablehnung zeitgenössischer Kunst zum Ausdruck gebracht wurden.«

Karin Bürkert in Die städtische Gemäldegalerie in Braunschweig, erschienen in Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, hrsg. von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Band 82, Hannover 2010, S. 528 f.
 
 
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